Da sieht man mal wieder, wie verschieden diese Kulturkreise dann doch sind. Auch wenn im Alltagsleben fast alles wie daheim scheint, musste ich bei der Predigt am Samstag feststellen, dass es beim besten Willen nicht meine Welt ist.
Die letzte Woche war bei Agape die "Endtime Financies" Fundraisingwoche weshalb jeden Abend eine stundenlange QVC-Werbeaktion fuer die Erloesung lief.
Doch je mehr ich mich mit den Leuten verstehe, Bekanntschaften und Freundschaften schliesse und mich allmaehlich einlebe, um so mehr komme ich mit dem Ueberangebot an Magie, Hexerei, Daemonen und Erloesungsverkaeufen nicht klar. Gerade diesen Samstag (hey, das war Welt-Aidstag!) war die Message:"Wer dem Herrn uneingeschraenkt gehorcht (und Geld an Agape zahlt) wird von allen Suenden und Problemem befreit." "There is a cure for HIV and cancer... Donate 100 Dollars - NOW!!!" (bei 300$ Jahreseinkommen ein ganzer Haufen. - Und die Leute zahlen. Ich habe die Listen gesehen!)
Und je mehr Leute ich frage, ob sie daran glauben, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass der Glaube an Magie und goettliche Erloesung in diesem Land (Kontinent?) tatsaechlich ein essentieller Bestandteil des Lebens ist und tief in (je)der afrikanischen Kultur verwurzelt ist. Es waere also auch nicht ganz gerecht, nun Agape die Schuld fuer diese Nachlaessigkeit zu geben.
Jedoch haette ich ein wenig mehr Modernitaet von den Seniorpastoren, die angeblich in USA und Kanada studierten, erwartet. Schliesslich macht sich hier "angeblich" kaum einer wirklich Sorgen um solche Belange. Die paar millionen HIV Infizierten sind wohl alles keine aufrichtigen Christen. Ach Gott!
Nun, jedenfalls habe ich mich entschlossen zu kuendigen. Die Finanzierung des Waisenhauses war eine gute Sache, doch Geld gegen Wunderheilung ist ebenso wenig mein Ding wie die heroisierung des Sektenfuehrers. Ich werde morgen noch einmal zur Arbeit gehen, meine Angelegenheiten klaeren, aber dann wird wohl - etwas frueher als erwartet - der zweite Teil meines Aufenthaltes beginnen: die Rundreise.
Gerade heute habe ich ein Guesthouse gefunden, in dem ich guenstig wohnen kann. Schliesslich brauche ich keine grosse Wohnung und ich will kaum daheim sein.
Der Regen ist ueberigends vorueber gegangen. Das ist auch ganz gut so, denn die Gegend, in der ich lebe heisst "Samaki", was so viel wie Fisch bedeutet. Ich vermute ja, das kommt weniger von dem Fischmarkt nebenan, als von der Tatsache, dass bei Regen zur Arbeit geschwommen werden muss.
Wohin es nun aber genau geht, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich erst einmal die Umgebung von Dar erkunden. Bagamoyo soll ganz nett sein - behauptet mein Reisefuehrer. So gewoehne ich mich etwas ein und vielleicht gibts dann ein paar Fotos. Bisher habe ich ja nur den Sender gesehen...
Ich hoffe, das naechste Mal gibt es mehr zu berichten.
So long,
Tobi